
Was ist ein Blower Door Test?
Auch seit dem Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ist die Messung der Luftdichtheit von Neubauten mittels Blower Door Test weiterhin ein „Nice-to-have“, und noch keine gesetzliche Pflicht. Außer es wird gefordert wie bei einer Förderung durch z.B. die KFW – dann wird dieser Test erst Pflicht. Zusätzlich ist die Durchführung des Tests verpflichtend, sobald eine Lüftungsanlage (raumlufttechnische Anlage) in einem Neubau verbaut wird.
Aber weiterhin herrscht bei Bauherren große Unsicherheit:
Was ist ein Blower Door Test überhaupt?
Wann ist er Pflicht?
Welche Grenzwerte gelten?
Und was passiert, wenn das Gebäude durchfällt?
Als Baugutachter und Sachverständiger erkläre ich dir in diesem Artikel praxisnah und fundiert, was ein Blower-Door-Test ist, wie er abläuft und warum er für die Bauqualität eines Hauses entscheidend ist.
Gesetzliche Grundlage: Blower Door Test nach GEG
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt unter § 26 „Prüfung der Dichtheit eines Gebäudes“ vor, dass:
Die Prüfung erfolgt nach der DIN EN ISO 9972:2018-12 (Anhang NA). Ziel ist es sicherzustellen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche eines Gebäudes – inklusive aller Anschlüsse und Fugen – dauerhaft luftundurchlässig nach den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt ist.
Kurz gesagt: Ein Neubau muss luftdicht sein – und das muss nachgewiesen werden, aber die Messung selbst ist keine Pflicht!
Der anerkannte Nachweis erfolgt über den Blower-Door-Test, auch Differenzdruckmessung genannt.
Warum ist luftdichtes Bauen so wichtig?
Aus gutachterlicher Sicht ist die Luftdichtheit eines Gebäudes einer der wichtigsten Qualitätsfaktoren – nicht nur aus energetischen Gründen.
Folgen mangelnder Luftdichtheit:
- Wärmeverluste und steigende Heizkosten
- Zugluft und mangelnder Wohnkomfort
- Tauwasserbildung in der Konstruktion
- Schimmelbildung in Dämmung und Holzbauteilen
- Bauschäden, die oft erst Jahre später sichtbar werden
Besonders kritisch: Undichte Stellen liegen häufig unsichtbar in der Konstruktion (z. B. Dachanschlüsse, Durchdringungen, Fensteranschlüsse). Genau hier hilft der Test, diese Schwachstellen frühzeitig aufzudecken.
Was ist ein Blower Door Test?
Der Test ist ein standardisiertes Messverfahren, mit dem die Luftdichtheit eines Gebäudes überprüft wird. Dabei wird sowohl ein Überdruck als auch ein Unterdruck im Gebäude erzeugt, um Leckagen in der Gebäudehülle sichtbar und messbar zu machen.
Technisch simuliert der Test einen stürmischen Herbsttag mit Windstärke 5, indem eine Druckdifferenz von 50 Pascal (Pa) zwischen Innen- und Außenluft erzeugt wird. Gemessen wird dabei der notwendige Volumenstrom (m³/h) sowie die daraus resultierende Luftwechselrate n₅₀ (1/h).
Welche Messgröße ist entscheidend? Die Luftwechselrate n₅₀
Die Luftwechselrate n₅₀ gibt an wie oft das gesamte Luftvolumen eines Gebäudes pro Stunde ausgetauscht wird, wenn ein Druckunterschied von 50 Pascal herrscht.
Typische Grenzwerte beim Blower Door Test:
- Gebäude ohne Lüftungsanlage:
n₅₀ ≤ 3,0 1/h - Gebäude mit Lüftungsanlage:
n₅₀ ≤ 1,5 1/h - Passivhäuser (freiwilliger Standard):
n₅₀ ≤ 0,6 1/h
Wichtig: Ein niedriger Messwert allein reicht nicht aus. Auch einzelne Leckagen können trotz bestandenem Grenzwert einen Baumangel darstellen.
Wie wird ein Blower Door Test durchgeführt?
1. Verfahrensvorbereitung
Zunächst wird festgelegt, nach welchem Verfahren gemessen wird:
- DIN EN ISO 9972 – Verfahren B oder 3
- Messung nach den Vorgaben des GEG
Alle unterschiedlichen Öffnungen werden entsprechend der Norm geöffnet, geschlossen oder luftdicht verschlossen (z. B. Lüftungsöffnungen, Abflüsse, Kamine).
2. Vorprüfung (Leckagesuche)
Vor der eigentlichen Messung wird ein maximaler Unterdruck erzeugt. Dies hat das Ziele große Leckagen aufzufinden. Außerdem wird die Messvorbereitung überprüft und die Abdichtungsmaßnahmen des Messdienstleisters werden überprüft. Die vorgefundenen Leckagen werden dokumentiert und – falls möglich – bereits vor der Hauptmessung beseitigt.
3. Durchführung der Differenzdruckmessung
3.1 Ermittlung des natürlichen Druckunterschieds
Über einen Zeitraum von ca. 30 Sekunden wird der natürliche Druck zwischen Innen- und Außenbereich gemessen. Dieser darf vor und nach der Messung maximal 5 Pascal Differenz betragen.
3.2 Unterdruck- und Überdruckmessung
Je nach Verfahren sind unterschiedliche Drücke während der Messung erforderlich:
- DIN EN 13829:
→ Unterdruck oder Überdruck ausreichend - DIN EN ISO 9972 (GEG-relevant):
→ Unterdruck und Überdruck verpflichtend
Gemessen wird in mindestens 5 Druckstufen, z. B.: 10 Pa, 20 Pa, 30 Pa, 40 Pa und 50 Pa. Für jede Druckstufe wird der notwendige Volumenstrom (m³/h) erfasst.
4. Auswertung der Messdaten
Nach Abschluss der Messung werden Temperatur, Luftdichte sowie Volumenstrom korrigiert und normgerecht ausgewertet.
Der mittlere Volumenstrom bei 50 Pascal wird ins Verhältnis zum Innenvolumen gesetzt.
Das Ergebnis ist die Luftwechselrate n₅₀.
Was ein Test Kostet erfährst du in diesem Artikel.
Typische Schwachstellen aus gutachterlicher Praxis
In meiner täglichen Arbeit zeigen sich immer wieder dieselben Problemzonen:
- Anschlüsse von Fenstern und Türen
- Durchdringungen für Kabel, Rohre und Lüftungen
- Dachanschlüsse und Dampfbremse
- Rollladenkästen
- Übergänge zwischen unterschiedlichen Gewerken
Gerade deshalb ist ein frühzeitiger Test während der Bauphase oft sinnvoller als eine Messung erst kurz vor Fertigstellung.
Fazit aus Sicht eines Baugutachters
Der Test ist:
- gesetzlich relevant
- technisch sinnvoll
- ein zentrales Instrument der Qualitätssicherung
Er schützt Bauherren vor:
- versteckten Baumängeln
- langfristigen Bauschäden
- unnötigen Energiekosten
Mein klarer Rat: Blower-Door-Test immer unabhängig durchführen lassen – idealerweise begleitet durch einen Baugutachter.


