
Richtig Lüften im Neubau
Das richtige Lüften im Neubau ist essentiell für die Minimierung der Luftfeuchtigkeit und trägt dazu bei, dass das Fertigstellungsdatum deines Bauvorhabens eingehalten werden kann.
Wieso muss ich in meinem Neubau lüften?
Viele Baustoffe werden mit einer großen Menge Wasser hergestellt, wie zum Beispiel Beton oder auch Putz. Wenn die äußere Gebäudehülle abgeschlossen ist, d.h. Fenster und Türen eingebaut sind, befindet sich dieses Wasser im Gebäude, welches natürlich schnellstmöglich entweichen sollte. Andernfalls besteht die Gefahr von Schimmelbildungen und Bauteilbeschädigungen. Mit der Zeit wird die Raumluft die Feuchtigkeit aus den Bauteilen aufnehmen und sich mit Wasser anreichern.
Jetzt hast du die Möglichkeit, das Gebäude zu trocknen – durch das richtige Lüften!
Physikalische Grundlagen des Lüftens
Luft hat eine gewisse Kapazität, Wasser aufzunehmen und zu speichern. Diese Kapazität ändert sich mit der Lufttemperatur. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasser kann sich in der Luft anreichern. Wie hoch der Sättigungsgrad der Luft ist, d.h. wie viel Speicher von dieser Kapazität verbraucht ist, wird üblicherweise „relative Luftfeuchtigkeit“ genannt.
Wie geht richtig Lüften im Neubau?
Ziel des Lüftens ist es, die Wasserspeicherkapazität der Raumluft optimal zu nutzen. Das funktioniert am besten, indem die relative Luftfeuchtigkeit möglichst gering gehalten wird, damit das Wasser aus den umliegenden Bauteilen am schnellsten entweicht und sich in der Luft anreichert. Dies wiederum lässt sich am effektivsten umsetzen, indem Luft mit einer geringen Wasserspeicherkapazität ins Gebäude gebracht und anschließend diese Kapazität erhöht wird.
Das bedeutet: Kalte Luft wird erhitzt!
In den frühen Morgenstunden sowie in den späten Abendstunden ist die Lufttemperatur niedrig und somit der Wasserspeicher sehr klein. Der Sättigungsgrad (d.h. die relative Luftfeuchtigkeit) wird dann sehr hoch sein, da nicht viel Wasser gespeichert werden kann. Dann lüften wir!
Die kalte Luft wird nun im Raum erhitzt. Der Wasserspeicher der Luft vergrößert sich exponentiell mit der Temperaturzunahme und die relative Luftfeuchtigkeit sinkt. Die Folge ist, dass die Luft die Feuchtigkeit aus den Bauteilen bindet, bis sie wassergesättigt ist. Dann lüftest du erneut, um die nasse Luft zu loszuwerden!
Je nasser das Gebäude ist, desto häufiger muss gelüftet werden. Zu Beginn wird das Lüften im Neubau einige Male pro Tag nötig sein. Dies nimmt mit der Zeit ab, bis etwa zweimal am Tag ausreichend ist.
Sollte ich in Kippstellung lüften oder Stoßlüften?
Grundsätzlich solltest du stoßlüften. Zwei gegenüberliegende Fenster eignen sich besonders gut, damit ein Durchzug und damit ein optimaler Luftaustausch möglich ist. In den ersten Wochen im Neubau empfiehlt sich jedes Fenster im Haus zu öffnen.
Die Kippstellung ist äußerst kontraproduktiv, da dadurch nur die Laibungsbereiche ausgekühlt werden und kein Luftaustausch stattfindet.
Woher weiß ich, wann die Raumluft wassergesättigt ist?
Du kontrollierst die Wassersättigung am einfachsten mit einem Hygrometer. Das ist ein Messgerät zur Überwachung der relativen Luftfeuchtigkeit. Ist diese bei etwa 70 % – 80 %, solltest du lüften. Am besten stellst du zwei bis drei Hygrometer im Haus und eines draußen auf, dann hast du den besten Überblick. Ein solches Hygrometer findest du beispielsweise hier*. Ich empfehle direkt ein 3er-Set, damit du Innen + Außen gleichzeitig im Blick hast.
Wenn die Zeit drängt: Reicht Lüften allein nicht aus (z. B. weil der Einzugstermin näher rückt), helfen Bautrockner. Ich nutze für Trocknungsbegleitungen am liebsten Geräte aus der Trotec TTK-Serie* – die ziehen je nach Modell 50–100 Liter Wasser pro Tag aus der Luft. Wichtig: Räume luftdicht halten, sonst arbeitet der Trockner gegen die Außenluft.
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